Abschied

So, Freunde – das wird jetzt nicht leicht. Heute gibt es Unschönes zu verkünden, nämlich:

El Fútbol ist Geschichte. Der Blog wird in Zukunft leider nicht mehr weitergeführt.

Gehen wir die Gründe dafür durch. Am Anfang, vor fast zwei Jahren, war dieser Blog für mich einfach eine kleine Spielerei, nichts weiter als die Möglichkeit, meine Gedanken zum Fussball, die ich ansonsten mit mir herumtragen und weitestgehend für mich behalten würde, in die weite Welt rauszuhauen und dann mal zu sehen, was so daraus wird, ob das überhaupt irgendjemand lesen und wahrnehmen wird und überhaupt. Schon damals hatte ich von Trainer Baade, den ich ganz am Anfang mal mit ein paar Rookie-Fragen angemailt hatte und der seitdem nichts anderes als mein Mentor in Sachen Fussballbloggerei war und ist, den Tipp erhalten, dass ein guter Blog idealerweise einmal pro Tag aktualisiert werden sollte.

Dieses Prinzip habe ich in der Folgezeit übernommen und ich muss sagen, dass die Entwicklung, die der Blog danach bis heute genommen hat, mich sehr gefreut hat und auch stolz gemacht hat: es kamen immer mehr Leser, die Beiträge wurden immer häufiger kommentiert oder verlinkt, und unter den Artikeln tauchten immer wieder Benutzernamen auf, die ich schon von vorherigen Artikeln kannte.

Dadurch habe ich dann gelernt, dass so ein Blog eine tolle und schöne Sache ist, wenn man die notwendige Zeit und Anstrengung dafür aufbringt. Inzwischen bin ich aber leider an einem Punkt angekommen, an dem ich mir eingestehen muss, dass ich diesen Aufwand einfach nicht mehr hinkriege. Der Zeitmangel ist zwar nicht der einzige, aber der Hauptgrund für das Ende. Neben Studium, Fussball, Freundin, Nebenjobs, Freunden, Feierei und der Tätigkeit als Unterweltboss bleibt halt einfach nicht mehr die Zeit dafür, Tag für Tag etwas Interessantes zum Fussballgeschehen zu veröffentlichen. Nun könnte man natürlich einfach die Schreibfrequenz runterfahren und nur noch ein zwei Beiträge pro Woche veröffentlichen, aber das wäre dann so ein halbherziges Mittelding, und nicht so meins. Entweder ganz und richtig oder eben garnicht.

Hinzu kommt dann auch noch, dass sich meine Interessen in Sachen schreiberische Tätigkeit mit der Zeit mehr und mehr vom Fussball weg und zum allgemeinen Leben hinbewegen. Das hat nichts damit zu tun, dass mir Fussball weniger wichtig ist als vorher, sondern eher damit, dass ich nun erst einmal über andere, weitergehende Themen schreiben, irgendetwas über die Welt und über das Leben an sich aufs Papier bringen will. Ein Buch, ein Drehbuch, ein neuer Blog über das Leben, irgendwas. Mein großer Traum ist ja mein eigener Roman, mir fehlt aber bisher noch eine gescheite Geschichte dazu. Vor einiger Zeit habe ich trotzdem einfach mal losgeschrieben. Zieh dich warm an, deutsche Migrationsliteratur! Sorry, ich schweife ab.

Jedenfalls hat mir dieser Blog insofern sehr geholfen, da er mir zum einen deutlich gemacht hat, dass mir Schreiben an sich sehr liegt und viel bedeutet und vor allem durch die Erkenntnis, dass ich durch das Schreiben ziemlich viele Menschen erreichen kann. Das ist für mich persönlich eine sehr wichtige und schöne Erkenntnis, die sich womöglich auch noch auf meine spätere berufliche Ausrichtung auswirken könnte.

Deswegen möchte ich mich nun, langsam zum endgültigen Schluss kommend, bei euch allen bedanken, die ihr mein Geschriebenes gelesen und kommentiert und damit einen großen Anteil zu diesem Blog geleistet habt, vor allem bei:

Aaron, Alex, Anderl, Balboa, Bwells, Bern 1989, br3dr3n, bbz, Chris, Calli, Christoph, Cliff, Creymar, Dennis, Ehinaldo, Evil, Ezequiel, Friedrich, Guido, Guybrush, heinzkamke, Holdt, Huge, Ilja, J, Jeensii, Jens, Jensen, Klaus, Manu, Mario, Martin, Marvin, Mattes, Max Power, McBuhl, McP, Mettskillz, Michael, mitVollkaracho1986, Nico, Ohliwa, Oli, Pana, Peppi, Phil, Pinto, Piratim, Prinzp, Rehunger, Sinister, Stadtneurotiker, Squirreljoe, Ste, Stefan, Strafraumfummler, Thomas, Tolgi, Torja, Wakinger,

und natürlich ebenso bei allen anderen, die ich jetzt beim Überfliegen der insgesamt 1350 Kommentare übersehen habe bzw. die stillschweigend mitgelesen haben. Eure Leserschaft und die Interaktion mit euch war für mich immer das Coolste am Bloggen überhaupt, denn ein Blogger ohne Rückmeldung ist nichts. Ein spezieller Dank geht an Ronnie Grob von bildblog.de, ohne dessen zahlreiche Verlinkungen ein recht großer Teil der Leser wohl nie hier gelandet wäre.

Wie ich mir sagen lassen habe, haben wohl schon viele andere Blogger bereits auf ähnliche Weise ihren Abschied verkündet, nur um Monate später zurückzukehren, und zwar um die Erkenntnis reicher, dass sie es doch nicht ganz lassen konnten. Ob das auch bei mir so sein wird, werden wir sehen. Für den Moment zumindest ist das Ende jedenfalls endgültig.

Vor dem Verfassen dieses Textes hatte ich mir eigentlich fest vorgenommen, ihn ganz sicher nicht zu pathetisch und emotionalgeladen klingen zu lassen, da es Wichtigeres und emotionsbegründenderes gibt und es hier am Ende doch nur um so etwas weltunbewegendes wie ein Blog geht. So richtig ist mir das wohl nicht gelungen. Aber eigentlich ist das auch ganz ok so.

Das war es also. So long, macht es gut!

Sidan.

Statement

Fatih Terim ist beim türkischen Verein Galatasaray und vor allem bei dessen Anhängern eine absolute Legende. Nach elf aktiven Jahren, über dreihundert Einsätzen und vor allem einer äußerst erfolgreichen Amtszeit als Trainer von 1996 bis 2000 mit vier aufeinanderfolgenden Meisterschaften, zwei Pokalsiegen und dem Triumph 2000 im UEFA-Cup ist die Liebe durchaus gerechtfertigt. 2002 folgte dann eine weniger erfolgreiche Rückkehr, die nach einer Derby-Niederlage gegen Erzfeind Fenerbahce 2004 sogar mit dem Rausschmiss des “Imparators” endete.

Nach einigen Jahren bei der türkischen Nationalmannschaft kehrte Terim im vergangenen Sommer erneut als Cheftrainer zu seinem Verein zurück. Nach sehr durchwachsenen Jahren erlebt der Verein mit Terim und mit Hilfe zahlreicher Neuzugänge wieder einmal eine durchaus ansehnliche Saison und ist bereits seit Monaten Tabellenführer.

Doch obwohl die sportlichen Leistungen und Ergebnisse seit Terim Rückkehr stimmen, gibt es im turbulenten Umfeld des Vereins immer wieder Unruhe um seine Person. Zahlreiche Mitglieder der Führungsetage sollen von Anfang an gegen eine erneute Verpflichtung Terims gewesen sein, und auch nachdem sein Comeback perfekt war, gab es im Vorstand so vehemente Streitigkeiten, dass Terim selbst schon vor Saisonbeginn an einen sofortigen Rücktritt gedacht haben soll.

Weiter ging es in der Winterpause, in der vom Trainer immer wieder namhafte Verstärkungen für bestimmte Positionen gefordert wurden, vom Vorstand aber nicht erfüllt werden konnten oder nicht gewollt waren. Zu Beginn der Rückrunde fiel die Mannschaft dann in ein Loch und ließ in den ersten Wochen einige Punkte liegen, das wiederum gab den Terim-Gegnern im Verein wieder Auftrieb und – noch mehr Stress. “Meine Kollegen, die ihn ständig kritisieren, haben wohl vergessen, dass Galatasaray die letzte Saison auf dem achten Platz beendet hat. Fatih Terim ist mit elf neuen Spieler in die Saison gestartet und wir sind Tabellenführer. Er verdient mehr Akzeptanz”, sagte Vizepräsident Ali Dürüst, der maßgeblich an der Verpflichtung Terims beteiligt war.

Und dann kam das Derby gegen den Stadtrivalen Besiktas, am Sonntagabend in der heimischen, vor einem Jahr eingeweihten Türk Telekom Arena in Istanbul. Da die Anhänger des Vereins wussten, das alle Augen im Land auf diese Partie gerichten sein würde, entschlossen sie sich, die Aufmerksamkeit dazu zu nutzen, ihr eigenes Statement zu den Streitigkeiten im Verein und zu den anhaltenden Diskussionen um den Trainer zu setzen.

Während die Mannschaften sich in den Katakomben zum Einlaufen bereit machten, ging Oguz Altay, Mitglied von UltrAslan, der größten Fangruppierung des Vereins, zu Terim und bat ihn, sich mit ihm gemeinsam vor die Nordtribüne zu begeben. Als die beiden dort ankamen, setzte auf der Tribüne eine epische Liebesbekundung ein: begleitet von einem Stück aus dem Film “Braveheart” richtete sich vor den Augen Terims in wenigen Sekunden und inmetten der Anhängerschaft auf den Tribünen ein gigantisches Abbild seiner selbst auf, das ihn beim Dirigieren seiner Mannschaft zeigt, die ein paar Ränge weiter ebenfalls abgebildet wurde. Nicht nur Terim war sichtlich gerührt, auch der gegnerische Trainer Carlos Carvalhal (und Assistent Roland Koch) sahen sich das Spektakel an und wikrten dabei ziemlich beeindruckt.

Die Aktion an sich, die Größe des Terim-Porträts und die Tatsache, dass es ungefähr dreimal so groß war wie die der Spieler, machte die Botschaft der Anhänger deutlich: unser Star ist der Trainer. Das wird nun auch der letzte Kritiker im Vorstand einsehen müssen.

(In der Hoffnung, dass das Video noch nicht runtergenommen wurde:)

Becali

Ich hab ja seit geraumer Zeit einen Lieblingsvereinspräsidenten. Gigi Becali ist ein 53-jähriger, rumänischer Milliardär, der aus sehr einfachen Verhältnissen kommt und es mit Immobiliengeschäften – die als dubios gelten, wie man so schön sagt – zu enormem Reichtum und Einfluss in seinem Land gebracht hat. Seit 2003 ist er Eigentümer des rumänischen Traditionsvereins Steaua Bukarest, seit 2004 hat er seine eigene, rechtsgerichtete Partei, und seit 2009 sitzt er sogar im Europaparlament.

Der Grund für sein Engagement bei Steaua ist einfach: “Nachdem ich mein Vermögen gemacht hatte, wollte ich wie jeder Mensch, der Macht hat, auch öffentliches Ansehen.” Das mit dem öffentlichen Ansehen sei mal dahingestellt, öffentliche Auftritte und Aufmerksamkeit beschert ihm sein Amt seitdem aber auf jeden Fall, der Mann ist eine laufende Zitat- und Eklatmaschine und beherrscht Woche für Woche die rumänischen Schlagzeilen. Das sich Steaua da einen doch sehr exzentrischen Vereinschef geangelt hatte, war spätestens dann klar, als er kurz nach Amstantritt eine persönliche Version des letzten Abendmahls anfertigen ließ – mit ihm selbst als Jesus und den Spielern des Vereins als Jüngern.

Becali ist der typische Oberproll, der es zu einer Menge Geld gebracht hat und nun eine öffentliche Bühne für seine Ausfälle hat, er ist aggressiv, hetzerisch, bizarr, vorlaut, egoistisch, vulgär, cholerisch, von sich selbst besessen. Oder wie er es selber beschreibt: “Ich bin kein zivilisierter Mensch.”

Becali ist wie ein Stück herumlaufende und herumschreiende Realsatire. Und wenn man ihn als solche betrachtet, ist er vor allem eins: unfassbar unterhaltsam. Hier ist eine chronologische Auswahl aus Becalis Eskapaden, Aussagen und Ausfällen in seiner bisherigen Zeit als Steaua-Chef:

September 2006: Steaua trifft im Europapokal auf Dynamo Kiev. Becali bereitet sich mit heiliger Hilfe auf die wichtige Partie vor: er bezahlt zwei Klöstern jeweils eine Million Euro, damit sie fleißig für einen Steaua-Sieg beten, und rupft einem Priester öffentlich zwei Stücke von seinem Bart ab, um sie in seine Tasche zu stecken, da ihm das Glück bringen werde. Er behält Recht und darf sich über einen 4:1-Auswärtssieg freuen.

Juni 2007: Becali ärgert sich über die Stadionmusik bei Steaua-Spiele und kündigt Änderungen an. “Ich werde vor den Spielen nur noch religiöse Musik spielen lassen, weil ich derjenige mit dem Geld bin und ich das eben so will. Als erstes streiche ich ‘We Will Rock You’. Warum sollten wir so etwas spielen? Sollen die Spieler sich umbringen? Wer Teufelsmusik hören will, soll nicht in mein Stadion kommen.”

September 2007: Vor einer Champions League-Partie gibt es Streit zwischen Becali und dem damaligen Trainer Gheorghe Hagi. Der Präsident will, dass die Aufstellung nach seinem Geschmack ausgerichtet wird. Becali: “Ich geben diesem Verein mein Geld und jeder muss exakt das tun, was ich sage. Wenn ich sage, dass ich einen Spieler in der Mannschaft sehen will, dann muss der Trainer das akzeptieren. Er ist mein Angestellter und muss das tun, was ich verlange.” Am nächsten Tag tritt Hagi zurück.

April 2008: Im Schlussspurt der Saison erzielt seine Mannschaft in einem wichtigen Spiel ein Abseitstor kurz vor Schluss und gewinnt mit 2:1. Die Fehlentscheidung des Schiedsrichter interessiert Becali nach der Partie wenig: “Gott macht es nichts aus, wenn man im Abseits steht.”

April 2008: Kurz bevor Universitatea Cluj mit dem Titelkonkurrenten von Steaua aufeinandertrifft, wird ein Koffer abgefangen, in dem 1,7 Millionen Euro von Becali untergebracht sind. Seine Stellungnahme: “Die 1,7 Millionen Euro waren nur dafür gedacht, Schokolade und Lollipops zu kaufen. Es ist mein Geld. Ich kaufe, was ich will.”

Dezember 2008: Eine sportliche Krise bei Steaua bereitet Becali Kopfschmerzen. Der Grund dafür ist aus seiner Sicht klar – die Religion des türkischen Co-Trainers Yüksel Yesilova. “Steaua ist eine christliche Mannschaft. Er ist ein Muslim und bringt uns Pech. Bei einem Verein, der auf seinem Mannschaftsbus und seinem Trikot ein Kreuz trägt, kann kein Muslim arbeiten. Wir haben seit acht Wochen nicht mehr gewonnen. Meiner Meinung nach liegt das an Yesilova.” Kurz darauf wird Yesilova entlassen.

März 2009: Becali will den Spieler Tiago Gomes loswerden und will ihn anderen Vereinen mit einer finanziellen Belohnung schmackhaft machen: “Niemand will uns Geld für ihn bezahlen, also zahle ich demjenigen 100 000€, der ihn mir vom Hals schafft”.

Januar 2010: In letzter Sekunde sagt Becali einen Transfer ab, da er den zu verpflichtender Spieler plötzlich verdächtigt, schwul zu sein. “Ich löse lieber den Verein auf, bevor ich einem Schwulen erlaube, für Steaua zu spielen. Ich habe nichts gegen Schwule, ich werde nur nie einen einstellen.”

Februar 2011: Becali bekommt sich wieder einmal mit Dumitru Dragomir in die Haare. Dragomir ist der Präsident des rumänischen Verbandes und ein Lieblingsgegner Becalis. Da Dragomir sich während den Verhandlungen für einen neuen Fernsehvertrag nicht nach dem Geschmack Becalis verhält, erklärt dieser, dass Dragomir “verprügelt gehört”, da er Steaua erniedrige und den Fussball korrumpiere. Noch besser hatte er das Verhältnis zu Dragomir bereits im Jahr 2008 anhand einer vorherigen Auseinandersetzung auf den Punkt gebracht: “Er hat mich einen Behinderten genannt, ich ihn einen Penner. Dann gingen wir aufeinander los.”

April 2011: Becali hält eine Pressekonferenz ab, vor der er angekündigt hatte, er wolle sich bei jedem öffentlich entschuldigen, den er während der Saison beleidigt hat. Er tut das dann auch auf eigene Art, indem er sich nämlich erst bei den Gegnern kurz entschuldigt, um dann die Beleidigungen gegen sie einfach nochmal hintendranzuhängen.
So entschuldigt er sich beim Präsidenten von Rapid Bukarest, George Copos: “Ich bereue die Dinge, die ich zu ihm gesagt habe. Er ruft nie zurück. Ich verurteile ihn nicht. Klar, er ist billig, aber das soll Gott beurteilen. Ich muss das nicht tun.”
So bei allen Homosexuellen: “Ich entschuldige mich bei ihnen. Es ist ihr Problem, ihre Krankheit, nicht meine. Ob ich immernoch denke, dass es eine Sünde ist? Natürlich ist es eine Sünde. Ich sage immer, was ich denke.”
Bei den Anhängern seines Vereins: “Es tut mir leid, dass ich sie beleidigt habe. Außer diejenigen, die mir vor Ostern den Tod gewünscht haben. Die sind alle vom Teufel besessen.”
Sein Fazit am Ende der Entschuldigungs-PK: “Das fühlt sich gut an, ich fühle mich wie neugeboren. Und es wird Satan verrückt machen. Er hasst es nämlich, wenn eine Seele reiner wird. Aber ich habe das nicht für mich getan. Ich bin eine Inspiration für Millionen von Menschen.”

April 2011: Becali wird live im Fernsehen gefragt, was er von Dinu Gheorghe halte, der Präsident von Rapid Bukarest ist und sich öffentlich über Becalis Vergangenheit als Schäfer lustig gemacht hatte: “Was? Er ist ein dreckiger Idiot. Ein fetter Penner. Ich werde diesen Zigeuner zurück in seine Mutter zwängen. Ich habe genug von ihm, seiner Ironie und seinen Witzen. Er bringt mich immer dazu, die Kontrolle zu verlieren! Sein Verhalten ist völlig unangebracht.”

April 2011: Cristian Borcea, der Präsident von Ligakonkurrent Dinamo Bukarest ist, trennt sich von seiner Ehefrau und heiratet ein Model. Becali kennt den Grund: “Es ist eine Strafe Gottes. Ein Mann muss eben Entscheidungen treffen. Wie sagte Gott: ein Mann ist ein Mann und eine Frau ist eine Hure.”

Mai 2011: In der Endphase der Saison stellt sich heraus, dass Becali jedem Spieler von Universitatea Craiova 5000 € angeboten hat, falls sie gegen eine Mannschaft gewinnen, die sich gerade mit Steaua um die Europapokalqualifikation streitet. Darauf angesprochen, bezeichnet Becali es als “völlig normale Spende” und sagt: “Niemand kann behaupten, dass so etwas falsch ist. Es ist mein Geld.”

August 2011: Vor Beginn der Saison wird Becali nach den Zukunftsaussichten seines Sportdirektors Mihai Stoica gefragt. Er spricht ihm auf väterliche Art Mut bei: “Glaubt ihr wirklich, dass er nicht weiß, was passieren wird, wenn wir keinen Erfolg haben werden? Gott stehe ihm bei. Der Jihad wird ausbrechen.”

Oktober 2011: Eine Steaua-Partie wird abgebrochen, nachdem ein Anhänger der gegnerischen Mannschaft eine Massenschlägerei auf dem Feld angezettelt hatte. Der Präsident erklärt nach dem Spiel, dass er eine andere Reaktion seiner Schützlinge erwartet hätte: “Die ganze Mannschaft hätte auf diesen Penner einschlagen sollen!”

Dezember 2011: Nachdem Becali behauptet hatte, dass der Titelkonkurrent CFR Cluj Schiedsrichter besticht, wird er von deren Präsidenten öffentlich zu einem Ringkampf unter echten Männern herausgefordert (“nur Fäuste und Füße, keine Regeln!”). Als er vor laufenden Kameras mit der Aussage des Cluj-Präsidenten konfrontiert wird, nimmt er die Herausforderung natürlich an und verschärft sie zusätzlich: “Du willst also in den Ring? Dann lass uns in den Ring steigen, du Schlampe. Ich breche dir deine Arme und Beine. Lass uns auch Waffen benutzen. Schießen wir mit Waffen aufeinander.”

Januar 2012: Becali gibt sich öffentlich geläutert und verspricht: “Dieses Jahr werde ich mit niemandem streiten. Das ist Gottes Wille. Ich werde mir zwischen drei- und viertausend Schafe besorgen und ihnen beim grasen zusehen. Ich bin äußerst sensibel. Die kleinste Sache kann mich aus der Ruhe bringen.” Lange hält sein Versprechen nicht, wie sich noch im selben Monat herausstellt. Zuerst nennt er den Manager von St.Etienne während Transferverhandlungen einen “Bettler”, danach bezeichnet er alle Schiedsrichter als Diebe, und schließlich schickt er folgende Botschaft an seinen Patensohn (!) und Dinamo Bukarest-Eigentümer Cristi Borcea: “Er will einen Jihad? Kann er haben. Ihr werdet sehen, wer gewinnt.” Mit dem Jihad hat ers ja, der Gigi. Die Schafe scheinen ihre Sache nicht sehr gut gemacht zu haben.

Februar 2012: Becali ist zwar schon mehrmals zur Präsidentschaftswahl angetreten und jeweils gescheitert, seinen politischen Ambitionen kann das aber nichts anhaben, er hat es jetzt auf einen neuen Posten abgesehen: “Ich möchte Premierminister werden, damit ich der General von Christus auf Erden sein kann. Dieses Land braucht 5000 Becalis – aber auch schon mit 100 Becalis wären wir besser als Deutschland und Frankreich. Becali ist Liebe – Liebe führt mich zu den Menschen in Not. Alles was ich tue, tue ich für Jesus.”

Edelfan

Letzte Woche trat der brasilianische Drittligist Santa Cruz im Pokal beim Erstligisten Gremio Porto Alegre an. Aufgrund des Klassenunterschieds war die Rollenverteilung vor dem Spiel klar, im Normalfall würde die Heimmannschaft gewinnen.

Das schreckte wohl die meisten Fans der Gastmannschaft ab und ließ sie darauf verzichten, die lange Reise ins Olimpico Monumental anzutreten. Die meisten, aber nicht alle. Darf ich vorstellen: Tiago Rech.

Wie er da ganz alleine und um sich blickend im Gästeblock sitzt, neben 6734 Gremio-Fans im Stadion tapfer die Stellung hält und seiner Mannschaft beisteht, die erwartungsgemäß mit 1-4 untergehen wird, da geht mir als alter Fussballromantiker doch glatt das Herz auf.

Das sagte er zu seinem einsamen Stadionaufenthalt:

“Als ich reinkam, sah ich, dass nur ich und vier Polizisten im Block waren. Aber es hat sich gelohnt. Als wir das Tor erzielten, war es mir egal, dass ich alleine war. Ich schrie durch die Gegend und drehte völlig durch. Im Radio sprachen sie später vom ‘Tanz des einsamen Santa Cruz-Anhängers’. Es war ein toller Tag.”

Toller Typ!

FIlippo

Beim mourinho- und et’olosen Inter will es einfach nicht laufen. Siebter Platz, 14 Punkte Rückstand auf die Tabellenspitze, drei Spiele in Folge verloren, drei Spiele lang kein Tor erzielt. Nachdem der Trainer während der Hinrunde ausgetauscht und Claudio Ranieri ins Amt gekommen war, hatten zwar zwischenzeitlich sieben Siege in Folge für Aufbruchstimmung gesorgt, die Leistung und Ergebnisse in den letzten Spielen haben diese aber schnell wieder beendet. Wie weit die Konsequenzen der negativen sportlichen Entwicklung reichen, hat ein neunjähriger Fan namens Filippo am Wochenende demonstriert.

Bei der Heimpartie gegen Bologna am Freitag war der Kleine im Stadion und hielt ein Plakat in die Höhe, auf dem folgende Botschaft bzw. Bitte an die Inter-Truppe festgehalten war, die während und nach der Partie viel Aufmerksamkeit erhielt:

“Könnt ihr bitte gewinnen? Wenn nicht, werde ich in der Schule fertiggemacht! Danke, Filippo.”

Und was machte die Mannschaft? Ignorierte die höfliche Bitte des Jungen und unterlag dem Tabellensiebzehnten Bologna sang- und klanglos mit 0:3. Und sorgte dadurch dafür, dass der Spott von Nicht-Inter-Fans schon am Wochenende umso mehr anwuchs. “Filippo, suche dir eine neue Schule oder eine neue Mannschaft”, hieß es auf einem Banner bei der Partie Juventus-Catania am Samstag. Und ein Fan des AC Mailand hielt folgende Botschaft während der Begegnung mit Cesena hoch: “Gewinnt weiterhin, damit ich mich noch länger über Filippo in der Schule lustig machen kann”. Und dass der gleiche Effekt im Schulalltag auf den armen Filippo wartete, kann man sich ausmalen.

Einen schönen Trost gab es dann aber doch noch. Als Inter-Präsident Massimo Moratti Wind von der Sache bekam, orderte er sofort an, die Familie des Jungen zu kontaktieren und lud ihn noch am Wochenende zu einer Trainingseinheit ein. Dort traf Filippo Mannschaft und Trainer persönlich, bekam zur Entschuldigung von Kapitän Javier Zanetti ein Trikot geschenkt und konnte sogar mit Coach Ranieri über die sportliche Misere fachsimpeln: “Claudio Ranieri kam zu mir und schüttelte meine Hand, und ich bat ihn darum, bald wieder zu gewinnen. Ich fragte ihn, warum die Spieler in letzter Zeit so selten aufs Tor schießen. Wenn man nicht viel schießt, erzielt man auch nicht viele Tore.”

Durchaus zutreffende Analyse – gegen Bologna gelangen Inter in 90 Minuten nur acht Torschüsse – die sich Ranieri ans Herz nehmen sollte, und das nicht nur, damit der kleine Edelfan nicht weiter aufgezogen wird. Denn wie in den italienischen Medien berichtet wird, könnte eine Pleite am Mittwoch in der Champions League gegen Marseille bereits das Ende seiner Amtszeit bedeuten.